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foodsharing.de ist auf vielen kommerziellen Festivals vertreten, um dort Essen zu retten und das Thema Lebensmittelverschwendung ins Bewusstsein der Besucher*innen zu rufen. Wir kontaktieren die Festival-Veranstalter*innen im Vorhinein und vereinbaren mit ihnen, dass wir einen Infostand bzw. Fairteiler auf dem Gelände zu betreuen, am Abreisetag auf dem Campground Lebensmittel retten und ggf. Workshops abhalten. Dafür bekommen wir von den Veranstaltern eine gewisse Anzahl Tickets für Helfer*innen zur Verfügung gestellt.
HVAs koordinieren den Ablauf der gesamten foodsharing-Aktion auf einem Festival. Sie stellen sicher, dass die Aufgaben im Vorfeld erledigt werden, indem sie sie entweder selbst angehen oder an vertrauenswürdige Mitfahrer*innen delegieren. Außerdem sind sie Teil der überregionalen AG „Festival Koordination“.
Grundsätzlich sollten HVA vor Übernahme der Verantwortung bereits mit foodsharing auf ein Festival gefahren sein. Gerade um neue Festivals anzusprechen, können aber auch Foodsaver, die in der Region des Festivals aktiv sind, gern auf die Koordinations-AG zukommen, sich über die wichtigsten Dinge coachen lassen und die foodsharing-Aktion auf „ihrem“ Festival dann selbst in die Hand nehmen.
Schon Wochen oder Monate vor dem Festival können (und sollten) untenstehende Aufgaben angegangen werden. Die HVAs eines Festivals kümmern sich darum; sie müssen aber nicht selbst die Ausführenden sein.
Bevor das Festival losgeht, muss mit den Veranstaltern geklärt werden, wie viele Tickets sie für uns zur Verfügung stellen möchten und welche Infrastruktur wir vor Ort bekommen bzw. was wir selbst mitbringen müssen.
Auf großen Festivals gibt es oft fertige Pagoden oder Hütten mit Bierzeltgarnituren für uns, während wir auf kleineren Festivals meistens alles selbst organisieren. Ob es Strom am Fairteiler gibt, welche Erwartungen die Veranstalter an unsere Präsenz auf ihrem Festival haben und was es eventuell für No-Gos gibt, muss auch im Vorfeld abgeklärt werden.
Der zweite wichtige Ansprechpartner - besonders auf großen Festivals - ist die lokale Tafel. Wo es viel zu retten gibt, unterstützen uns die Tafeln vor Ort gern mit Kisten und Abnahmekapazität. Das heißt: am Tag vor dem Festival bringen sie eine vorher vereinbarte Menge Klappkisten zu unserem Stand, die sie am letzten Festival-Tag, mit Konservendosen und anderen Fertigprodukten gefüllt, wieder abholen. Das muss natürlich vorher abgesprochen werden.
Falls das Festival urban oder in der Nähe einer Stadt gelegen ist, dann macht es Sinn, auch die lokale foodsharing-Community über die Ticketvergabe hinaus mit einzubinden. Gerade zubereitete Lebensmittel, die jede Nacht von den Ständen abgeholt werden, müssen so schnell wie möglich unter die Leute gebracht werden. Lokale Foodsaver sind dann sehr hilfreich.
Manchmal gibt es auch die Möglichkeit, vor Ort kostenlose Lastenräder auszuleihen, wenn man frühzeitig auf die Suche geht und anfragt.
Sobald klar ist, wie viele Tickets wir bekommen, können wir ein Team aufstellen. HVAs haben hier komplette Entscheidungsfreiheit, und niemand hat ein Anrecht auf ein Ticket! Meist gibt es aber viele freie Plätze, die mit engagierten Foodsavern gefüllt werden sollen.
Dafür hat es sich als nützlich erwiesen, ein Online-Formular aufzusetzen und in der Gruppenbeschreibung der jeweiligen Festival-AG im Bezirk foodsharing auf Festivals zu verlinken.
Wenn das Team steht, müssen die Foodsaver persönlich angeschrieben und darüber informiert werden, dass sie ein Ticket erhalten haben - jetzt zeigt sich oft, dass viele doch keine Zeit haben. Aus diesem Grund lohnt es sich immer, eine Nachrückerliste zu haben!
Wenn das Team dann wirklich steht, kann ein Mumble sinnvoll sein. Dadurch hören sich alle schonmal und merken auch, dass die Organisation im Hintergrund schon läuft und alles seine Richtigkeit hat.
Zu diesem Zeitpunkt können auch schon Detailfragen angegangen und erste Vor-Ort-Aufgaben verteilt werden. Zumindest sollte klar werden, wo die kommenden Fragen geklärt werden (foodsharing? Trello? Google Drive?), und welche Aufgaben es überhaupt gibt. (Werden Workshops angeboten? Werden Stände und Einlässe berettet? Wird es offenes Frühstück geben? Werden mobile Fairteiler aufgestellt? Oder geht es einzig um Standbetreuung?)
Je nach Festival haben wir ganz verschiedene Möglichkeiten und Erwartungen bzw. Beschränkungen vom Veranstalter. Gängige Formate sind Folgende:
Fairteiler-Betreuung: Unser Stand ist Infotisch und Fairteiler in einem. An den Festival-Tagen sollte der Fairteiler die meiste Zeit über geöffnet sein. Manchmal gibt es auch Vorgaben vom Veranstalter über die Öffnungszeiten, die dann definitiv gewährleistet werden müssen. Zwei Leute in einer Fairteiler-Schicht à 2 Stunden einzusetzen, hat sich auf vielen Festivals bewährt.
Standrettung: Die Essensstände haben abends oft große Mengen zubereiteter Speisen übrig. Die Stände sollten vor der ersten Abholung kontaktiert werden, um zu erfragen, ob sie überhaupt mit foodsharing kooperieren wollen. Leider dürfen wir die zubereiteten Speisen oft nicht an Besucher*innen des Festivals herausgeben, so dass wir entweder an die Crew (z.B. Security und Sanitäter*innen) verteilen oder lokale foodsharing-Strukturen nutzen, um das Essen sinnvoll verwerten zu können. Am letzten Festivaltag gibt es meistens viele Zutaten zu retten, die übrig geblieben sind. Ob es Sinn macht, bereits geschnittenes Gemüse oder TK-Ware zu retten, wenn man keine Kühlung hat, müssen die Teams vor Ort abwägen…
Einlassrettung: Auf großen Festivals müssen Besucher*innen schon am Eingang z.B. Glasflaschen abgeben. Wir können dafür bei den Securities Kisten aufstellen, die wir dann in regelmäßigen Abständen abholen.
Hier ist es schon oft zu Missverständnissen und Unmut gekommen, weil die Securities unsere Kisten für ihre Sachen verwendeten und empört waren, wenn dann Dinge daraus verschwinden. Gute und klare Absprachen sind hier besonders wichtig!
Workshops: Auf manchen Festivals haben wir die Möglichkeit, Workshops anzubieten. Sie sollten schon im Vorhinein angemeldet und ausgearbeitet werden.
Mögliche Themen sind z.B.: „Was ist foodsharing, und wie kann ich mitmachen?“, „Lebensmittel haltbar machen“, „Ist das noch gut? Essbare Lebensmittel mit den Sinnen erkennen“ - oder was auch immer euch im Kontext foodsharing, Lebensmittel und Nachhaltigkeit einfällt. Wenn ihr Ideen braucht oder selbst welche habt, kontaktiert gern die Koordinations-AG.
Schmierstation / Offenes Frühstück / Mitbring-Frühstück: Wenn wir Gäste aktiv verpflegen dürfen, dann bieten wir die geretteten Brote, Marmeladen und Aufstriche als kostenloses Frühstück an.
Mobile Fairteiler: Bei einem sehr großen Gelände kann es Sinn machen, unbetreute Fairteiler für Lebensmittel an zentralen Wegpunkten einzurichten. Diese müssen - gerade am Abreisetag - regelmäßig abgefahren und geleert werden.
Geländerettung / Quad-Schicht: Auf den Campingplätzen wird viel Essen zurückgelassen. Das kann zum Fairteiler gebracht werden. Zusätzlich können wir durch die Camps gehen und Besucher*innen bitten, dass sie uns ihre übrigen Lebensmittel und Getränke bringen. Manchmal bekommen wir ein Quad mit großem Anhänger zur Verfügung gestellt, das bei dieser Aufgabe enorm hilfreich ist.
Endrettung / Nachsammeln: Am Abreisetag sind die Camingplätze übersät mit brauchbaren Dingen und essbaren Lebensmitteln.
Protokollieren der geretteten Mengen: Gerade die Veranstalter der großen Festivals sind sehr interessiert an den Zahlen, und auch für uns selbst ist es gut, einen Überblick zu haben. Es gibt ein Musterdokument, in dem alle Zahlen protokolliert werden können.
Wenn das Festival vorbei ist und alle wieder zuhause sind, gibt es nicht mehr viel zu tun. Das einzig wichtige ist, den Nachbericht zu schreiben, der die Erfahrungen des Festivals festhalten soll. Die Koordinations-AG stellt dafür einen Fragebogen bereit.
Zum Abschluss der Festival-Saison veranstaltet die Koordinations-AG ein Treffen für alle bisherigen und zukünftigen HVAs. Dabei sollen die Festivals des Jahres reflektiert und die des nächsten Jahres schon mal grob geplant werden.
In den ersten Jahren fanden diese Treffen in Hamburg statt, 2017 dann das erste Mal im Kanthaus in Wurzen.
Ihr seid Repräsentant*innen von foodsharing, deshalb:
Gemessen an Festival-Maßstäben ;)
Folgende Gegenstände haben sich als sinnvoll erwiesen:
Dokumente: Ticket (sofern du es bereits vor dem Festival erhältst), Personalausweis (zwecks Gästeliste), foodsharing-Ausweis
Wasser: Flaschen und Kanister
Lebensmittel für den ersten Tag, bei speziellem Bedarf (z.B. Unverträglichkeiten) für das ganze Festival; sprecht euch mit den Mitfahrenden ab.
Schlafen: Zelt, Isomatte, Schlafsack
Kleidung für alle Wetterverhältnisse (Sturm & Regen, Kälte, Wärme), festes Schuhwerk (eventuell tiefer Matsch, spitze Gegenstände), FlipFlops (zum Duschen!)
Sonnenschutz (Creme, Cap, Sonnenbrille)
Ohrstöpsel, Klopapier, Taschen- oder Kopflampe
eine kleine Bauchtasche (falls du Wertsachen an dir tragen möchtest) Geschirr und Besteck
Viele Eimer mit Deckel zum Retten von Lebensmitteln
Kellen und Servierlöffel, um das gerettete Essen auch wieder verteilen zu können
wenn möglich: gerettetes Einweggeschirr und -besteck für nächtliche LM-Ausgaben
Handy und/oder Walkie-Talkies (zur Kommunikation untereinander)
Artikel von: Öffentlichkeitsarbeit - Festivals Info (Kontakt)
Letzte Überarbeitung am 24.05.2020