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Die Hände sind unentbehrliche Werkzeuge im Umgang mit Lebensmitteln. Welche Maßnahmen zur Händehygiene sind im Umgang mit Lebensmitteln angemessen und sinnvoll? Wie gravierend ist die Problematik, und was sind die negativen Auswirkungen mangelnder Händehygiene?
Die gesunde Haut, auch die der Hände, ist üblicherweise mit einem Bakterienrasen aus der Gruppe der Hautkeime besiedelt. Dazu gehören beispielsweise Mikrokokken und Propionibakterien, die den Säureschutzmantel der Haut aufrechterhalten.
Die Haut nimmt vorübergehend auch andere Bakterien auf, beispielsweise aus der Gruppe der Darmbakterien, sie werden aber durch eine intakte Hautflora schnell wieder eliminiert.
Manche Krankheitserreger können von den Händen auf ein Lebensmittel und von dort wieder auf eine andere Person übertragen werden können. Dieser Übertragungsweg ist bewiesen bei Salmonellen, Noroviren, Campylobacter, Enterohämorrhagischen Escherichia coli, toxinbildenden Staphylokokken und anderen.
Solche Krankheitserreger können für einige Zeit auf den Lebensmitteln verbleiben oder sich sogar auf ihnen vermehren, zum Beispiel wenn die Lebensmittel zu warm gelagert, zu lange aufbewahrt oder nicht komplett durchgegart werden.
Der anschließende Verzehr kann dann zu Erkrankungen führen, den sogenannten lebensmittel-assoziierten Gastroenteritiden. Sie führen meist zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden. Manchmal kommen auch Fieber und andere Symptome dazu.
Laut Meldestatistik sind von diesen Erkrankungen jedes Jahr allein in Deutschland circa 280.000 Personen betroffen. Experten rechnen mit einer etwa zehnfach höheren Dunkelziffer.
Lebensmittel, insbesondere solche tierischen Ursprungs, aber auch Gemüse und Obst, können also mit zahlreichen Krankheitserregern behaftet sein. Bei Mängeln in der Lebensmittelhygiene kann dies gesundheitliche Probleme beim Verzehr zur Folge haben.
Man kann die Übertragung von Krankheitserregern von den eigenen Händen auf Lebensmittel weitgehend ausschließen und sich umgekehrt auch selbst schützen, indem man bestimmte Hygienemaßnahmen beachtet.
Es gibt eine Reihe von Desinfektionsmitteln zur Auswahl. Im professionellen Einsatz sollte man sich an einer anerkannten Liste orientieren und darauf achten, dass die Mittel für Hände und für den Umgang mit Lebensmitteln geeignet sind.
Zwei gute Listen finden sich auf den Webseiten des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Verbundes für angewandte Hygiene (VAH). In beide Listen werden nur Präparate aufgenommen, die durch unabhängige Sachverständige auf ihre Wirksamkeit geprüft wurden. Darüber hinaus gibt es eine Empfehlung zur Händehygiene von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI.
Bei allen drei Listen handelt es sich um Empfehlungen für die Krankenhaushygiene. Sie sind jedoch - mit der gebotenen Überlegung - auf den Umgang mit Lebensmitteln übertragbar.
Schutzhandschuhe verhindern direkten Kontakt zu Lebensmitteln. Generell gilt als Grundregel für die Benutzung von Handschuhen: So selten und kurz wie möglich, aber so oft und lange wie nötig.
Denn Handschuhe haben auch Nachteile, sowohl für die Haut der Person, die sie trägt, als auch unter Umständen für die Hygiene der Lebensmittel. In vielen Situationen sind Handschuhe eher schädlich und bei entsprechender Handhygiene nicht sinnvoll.
Hinzu kommt der ökologische Aspekt, dass durch Einweghandschuhe viel Müll entsteht. Auch bei Mehrweghandschuhen wird durch das häufige Waschen viel Energie verbraucht.
Es gibt einige Situationen, in denen Handschuhe empfehlenswert sind:
Nach dem Ende der jeweiligen Tätigkeit sollten die Schutzhandschuhe ausgezogen und entsorgt (Einweghandschuhe) bzw. gewaschen (Mehrweghandschuhe) werden.
Niemals sollten unterschiedliche Lebensmittel wie zum Beispiel Salat und Fleisch mit den gleichen Handschuhen bearbeitet werden.
Wichtig ist auch, dass immer der passende Typ Handschuhe benutzt wird. Hier ist auch das Material entscheidend.
Bei Handschuhen, die für den Umgang mit Lebensmitteln angemessen sind, ist stets die Packung mit „lebensmittelecht“ beschriftet.
Die menschliche Haut ist immer mit Keimen belastet. Man sollte meinen, dass die Verwendung von Handschuhen im Umgang mit Lebensmitteln die hygienischste Alternative darstellt. Aber so einfach ist die Sache nicht.
Ein häufiger Handschuhwechsel ist also notwendig. Dies erfordert Zeit, verursacht Kosten und viel Abfall.
Außerdem führen Handschuhe oft dazu, dass im Sinne der Hygiene nachlässig gearbeitet wird. Die Handschuhe können ein falsches Gefühl der hygienischen Sicherheit vorgaukeln:
Basierend auf dem BGIA Forschungsbericht Nr.2064 (Hygienische Aspekte beim Tragen von Einmalhandschuhen im Verkauf an Frischetheken, BGHW, FBG, BGIA, 2006) wird inzwischen einstimmig das Tragen von Handschuhen im Verkauf aus hygienischen Gründen abgelehnt. (Siehe z.B. Verband der Lebensmittelkontrolleure Hessen, Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., BGHW, ehemalige FBG, HACCP Konzept Internet Forum (Behrs Verlag), DEHOGA Hygiene-Leitlinie.)
Alle diese Organisationen äußern deutlich, dass das Tragen von Einweghandschuhen im Verkauf für den Kunden keinerlei hygienische Vorteile hat und für das Verkaufspersonal hautgefährdend ist. Mehr Informationen zum Thema enthält die Veröffentlichung: „Hygiene beim Umgang mit Bargeld im Verkauf“; Sohmen, R Döbler, S; Sonderdruck aus „Prävention von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und Erkrankungen; 24. Erfurter Tage“; Jena; Quedlinburg: Busset & Stadeler; 2018.51-64; ISBN 978-3-942115-49-0
Kurz gesagt :
„Gefährdungen der Haut sind nicht an bestimmte Tätigkeiten oder Berufe gebunden“ (BGI/GUV-I 8620 „Allgemeine Präventionsleitlinie Hautschutz“). Wichtig ist immer eine sorgfältige Ermittlung der Hautgefährdungen mit einer Risikobewertung und Ableitung von Schutzmaßnahmen.
Es gibt Tätigkeiten bei den Mitgliedsbetrieben der BGN (Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe), bei denen grundsätzlich davon auszugehen ist, dass Schutzhandschuhe - zum Eigenschutz - getragen werden müssen (weitergehende Informationen unter Chemikalienschutzhandschuh BGI 868 und Stechschutzhandschuhe BGR 200):
Keine Schutzhandschuhe und auch keine Hygiene-Handschuhe sind zu tragen
Beim Umgang mit Lebensmitteln sind nur dann Schutzhandschuhe zu tragen, wenn alle anderen vorrangigen arbeitstechnischen und organisatorischen Maßnahmen, die die Lebensmittel oder die Haut schützen können, ausgeschöpft sind.
Sie sind nur während des unmittelbaren Umgangs mit den Lebensmitteln zu tragen, und auch die individuelle Empfindlichkeit ist zu berücksichtigen.
Werden Handschuhe aus Produktschutz-Gründen getragen, so ist das Risiko einer Gefährdung der Haut und der Lebensmittel gegenüber den möglichen Hygiene-Vorteilen sorgfältig abzuwägen.
Artikel von: AG Hygiene - Austausch und (Fach)Wissen (Kontakt)
Letzte Überarbeitung am 15.04.2020